Verkäuferportrait: Polly McGeary Wedding Antiques

Etsy.com handmade and vintage goods

Foto von Janina Wagner

Als studierte Modedesignerin, die schon für einen Londoner Goldschmied und einen exklusiven Hutmacher arbeitete, brachte Aline Niedrich schon einiges an Erfahrung mit, als sie 2012 ihr eigenes Accessoires-Label gründete. Auf Etsy eröffnete sie ihren Shop „Polly McGeary“ – mit glitzernden Schuhclips und Haarschleifen. Aber zwei Jahre später ebnete ein zufälliger Flohmarktfund den Weg der Berliner Designerin für Polly McGeary Wedding Antiques – eine romantische Goldmine voller sentimentalem Vintage-Brautschmuck und antiken Hochzeitsaccessoires.

Zuerst wusste Aline nicht so recht, was sie aus diesen zwei delikaten, antiken Anstecksträußchen machen sollte, die sie auf ihrem sonntäglichen Flohmarktspaziergang fand. Sie wusste nur, dass sie sehr schön waren: „Dann erfuhr ich von der wahnsinnig tollen deutschen Tradition bei Silbernen und Goldenen Hochzeiten, zu denen diese Art von Sträußchen und Kränze vom Paar getragen wurden“, erinnert sich Aline, „Ich fragte meine Großmutter über Tiaras und Diademe aus. Sie selbst besaß drei Kronen, die alle Erinnerungsstücke von Freunden waren.“

Aline stellte die Sträußchen online, und innerhalb von 24 Stunden waren sie verkauft. Es dauerte nicht lange, da begannen Kunden nach Myrtenkränzen zu fragen. Und so tat Aline, was jede frisch gebackene Hochzeitsaccessoires-Händlerin tun würde: Sie rief wieder ihre Großmutter an. „Ich fragte sie, wie ich an mehr Tiaras und Kränze kommen könnte. Und sie fragte daraufhin ihre Freunde und die Frauen aus ihrem Strickkreis. Einige von ihnen hatten noch ihre Jubiläum-Sets zu Hause und auch die von ihren Angehörigen.“ Es sprach sich rum, und auch andere Freunde ihrer Großmutter verkauften Aline ihre Andenken. Heute ergänzt sie diese mit Fundstücken von lokalen Antiquitätenhändlern und Flohmärkten.

Die Tradition mag vielleicht altmodisch sein, aber der Look ist bei Bräuten von heute total beliebt. „Ich liebe meine Kunden, denn ihre Anfragen und ihre Hochzeitsgeschichten inspirieren mich sehr“, erzählt Aline. „Es ist wunderbar, wenn ich einer Braut dabei helfen kann die perfekte Tiara für sie zu finden.“

Im Interview erfährst du mehr über Alines kreativen Weg und die aufregendsten Produkte, die durch ihre Hände wanderten. Und schau dich auf jeden Fall auch bei Polly McGeary Wedding Antiques um.

Wie kam es zu der Entscheidung antike Hochzeitsaccessoires auf Etsy zu verkaufen, und wie hat diese Entscheidung deine Arbeit und deinen kreativen Prozess beeinflusst?

Bevor ich meinen eigenen Shop eröffnet habe, war ich lange schon als Käufer auf Etsy unterwegs. Ich glaube, das erste, was ich mir gekauft habe, war eine Laptoptasche – von einer Verkäuferin aus Israel. Mir gefiel die Idee sehr, nicht einfach nur ein Produkt zu kaufen, sondern auch den Hersteller oder Verkäufer dahinter kennenzulernen. Als Verkäuferin wurde ich durch das lokale Etsy Street Team Teil der Community. Dort traf ich auf Menschen, die für mich zu echten Freunden wurden. Wir treffen uns alle paar Wochen, rufen uns an, wenn es mal nicht so läuft, bauen uns gegenseitig auf und reden über Probleme. Oder wir gehen einfach gemeinsam aus und treffen uns zum Essen. Es ist so toll Gleichgesinnte zu haben. Menschen, die genau wissen, was du meinst, wenn du über deine Shop-Statistik, Versandprobleme und andere spezifische Etsy-Verkäufer-Dinge sprichst.

Woher kommt der Name deines Shops?

Als ich in London für einen Hutdesigner arbeitete, kam fast alle zwei Wochen eine Dame vorbei, um ihre Bestellungen abzuholen. Sie brachte immer ihre 5-jährige Tochter Polly mit. Polly durfte jeden Tag selbst entscheiden, was sie anziehen wollte. Sie hatten den tollsten und farbenfrohsten Geschmack, den ich je gesehen habe. Am liebsten trug sie die Seidenschals ihrer Mutter als große Schleifen in ihrem Haar. Als ich an meiner Abschlussarbeit arbeitete, stellte ich mir eine erwachsene Polly vor, die meine Entwürfe trug. Und McGeary ist ein irischer Name, über den ich in den Straßen von London gestolpert bin – ich fand es einfach den coolsten Namen überhaupt. Viele Leute denken, dass ich so heiße. Leider nicht! Ich wünschte, es wäre so.

Wie sieht dein Arbeitsraum aus? Was gefällt dir daran am besten? Was würdest du gerne ändern?

Ich bin gerade erst privat umgezogen und habe mein Atelier jetzt in einem der leeren Zimmer eingerichtet. Vorher hatte ich ein extra Atelier, aber ich habe das Gefühl, dass ich zu Hause effektiver arbeiten kann. Auch wenn das Fenster in dem Zimmer nicht gerade das größte ist, habe ich dort das beste Tageslicht zum Fotografieren. In meinem Atelier steht auch der alte Kleiderschrank meines Großvaters. Dort bewahre ich fast alle meine Tiaras und Kronen auf.

Wie würdest du deine persönliche Ästhetik beschreiben? Spiegelt sie sich in deinem Shop wider?

Ich mag den eklektischen Mix aus neuen und antiken Möbeln. Das Mischen von Altem mit Neuem ist etwas, das ich besonders liebe – wenn Geschichte mit der Gegenwart zusammen kommt. Wahrscheinlich bin ich deshalb auch so von der Idee angetan, dass ein 150 Jahre altes Erbstück noch mal ein zweites Leben als Hochzeitsaccessoire erlebt. Und ich liebe den Look meines Models Nadine: Sie hat sehr klassische Gesichtszüge, feurig rotes Haar und unglaubliche „Art déco“-Tattoos.

Worauf achtest du, wenn du Produkte für deinen Shop auswählst?

Zuerst schaue ich natürlich, ob die Teile in einem guten Zustand sind  und ob sie aus einer bestimmten Zeitepoche stammen. Manchmal entdecke ich Sets, die in einem äußerst schlechten Zustand sind: Ich erinnere mich noch, wie ich diese wunderschöne, seltene Tiara von 1870 fand – zusammengeknüllt in einem Eierkarton. Manchmal arbeite ich dann mit einer befreundeten Goldschmiedin zusammen und schicke ihr beschädigte Teile, damit sie sie aufbereitet. Unbeschädigte Tiaras sind wirklich schwer zu finden.

Was ist das beliebteste Produkt in deinem Shop?

Die Tiaras sind mit Abstand am beliebtesten. Ich glaube, weil jede für sich so einzigartig ist. Keine ist wie die andere! Jedes Teil bringt seine eigene Geschichte mit, sogar so etwas wie eine eigene Aura. Ich glaube, dass ist es auch, was für Brautpaare so anziehend ist.

Bei welchem Teil warst du am aufgeregtesten es endlich online zu stellen? Und warum?

Es war eigentlich ein ganz gewöhnliches Produkt: Ein Set aus drei Blumenbroschen aus Flamingofedern. Ich hatte sie auf einem Flohmarkt gefunden. Sie waren aus den 1950ern und noch in ihrer Originalverpackung. Ich finde Flamingos super faszinierend. Und die Tatsache, dass hier aus ihren Federn Blumenbroschen gemacht wurden, fand ich unglaublich aufregend.

All deine Produkte sind Unikate. Ist es manchmal auch schwer sich von einem zu verabschieden und es an den Kunden zu verschicken? Warst du jemals in Versuchung ein Teil zu behalten?

Jedes Mal, wenn ich eine Tiara oder einen Schleier verpacke, werde ich höchst sentimental – besonders bei Produkten, die ich von Angehörigen des ursprünglichen Brautpaares bekam. Denn oft liegen den Schachteln Briefe bei oder sie sind mit Namen versehen. Es gibt tatsächlich ein Set, das ich fotografiert habe und erst verkaufen wollte, dann aber das Gefühl hatte, ich müsste es für mich selbst behalten. Es ist eine anmutige Silbertiara mit passendem Sträußchen, die ich von einem Mann bekam, der die Silbersammlung seiner adligen Familie auflöste. Die Tiara ist von 1872 und wurde ursprünglich von Paula Lehner und ihrem Mann zur ihrer Silberhochzeit getragen.

Wenn du auf der Suche nach antiken Hochzeitsaccessoires bist, hast du da einen bestimmten Typ, so was wie einen imaginären Kunden, vor Augen? Wenn ja, wie ist er oder sie so?

Ich habe eigentlich keine bestimmte Person im Kopf. Alle meine Kunden sind so unterschiedlich. Ich hatte schon Rockabilly-Bräute mit pinken und blauen Haaren oder eine koreanische Braut mit deutschen Wurzeln. Ich versuche einfach so viele bezaubernde Tiaras wie nur möglich zu finden und sie dann all meinen Kunden anzubieten, egal welchen Geschmack oder Stil sie haben.

Was waren die aufregendsten Momente im Bestehen von Polly McGeary Wedding Antiques?

Ich habe eine Kundin, deren Mann für sie die allerschönsten Tiaras gekauft hat, die ich je besessen habe. Ihre Hochzeitsfotos waren einfach hinreißend – sie waren sogar in einer Ausgabe von Martha Stewart Weddings. Ich war so stolz. Die Kundin hatte mich sogar im Text erwähnt. Ich habe die Ausgabe gerahmt. Sie hängt jetzt bei mir im Atelier. Außerdem wurde ich 2014 von Etsy eingeladen europäische Verkäufer beim offiziellen Börsengang Etsys zu repräsentieren. Ich war super stolz und glücklich, dass ich dafür extra nach New York fliegen und mit anderen Verkäufern aus aller Welt bei der Zeremonie dabei sein durfte.

Was sind deine Pläne oder Ziele für die Zukunft deines Unternehmens?

Zur Zeit arbeite ich noch zwei Tage die Woche im Einzelhandel, um ein stabiles Grundeinkommen zu haben. Aber ich würde diese Tätigkeit gerne aufgeben, um mich Vollzeit um meine Shops kümmern zu können. Ich habe auch mehr Foto-Kooperationen geplant. Aber am meisten freue ich mich darauf, mein Label wachsen zu sehen.

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