Verkäuferporträt: Mistr Sandman

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Gabrielė B. wuchs in Litauen auf. Sie war stets von Frauen umgeben, die Dinge mit ihren Händen herstellten: Von ihrer Mutter und ihrer Großmutter lernte sie schon früh Stricken und Sticken. Noch heute schicken sie ihr handgestrickte Socken mit der Post. Später zeigte ihr eine Tante, wie man mit Wolle filzt. Und je mehr sie diese Fertigkeiten verfeinerte, desto kleiner wurden ihre Filzskulpturen. 2009 eröffnete sie Mistr Sandman – einen Shop, der wie ein sympathischer Miniaturzoo wirkt, mit hosentaschengroßen Filztierchen und seit neuestem auch Mobiles für Babys.

Heute lebt sie in Berlin und wenn sie nicht gerade an der Uni für ihren Abschluss als Musikdirektorin büffelt, entspannt sich Gabrielė mit Filzen. Es ist zwar enorm zeitaufwendig, aber auch unglaublich erfüllend. So beschreibt sie ihr Hobby selbst. Sie macht sich vorher niemals Skizzen, sondern filzt einfach drauf los und lässt ihre Materialien zu sich sprechen. Um sich die Zeit zu vertreiben, erfindet sie manchmal kleine Geschichten zu ihren Figuren, die sie mit in ihre Produktbeschreibungen aufnimmt. „Es macht einfach Spaß, so die Fantasie meiner Kunden anzuregen. Ich stelle mir dann vor, in was für einer Welt meine kleinen Figuren wohl leben“, verrät sie.

In diesem Artikel erfährst du mehr über Gabrielės rührende Beziehung zu ihren kleinsten Kunden und was sie inspiriert – schau dann auch in ihrem Shop Mistr Sandman vorbei.

Für mich sind das zwei völlig verschiedene Welten. Ich bin Musikerin, aber auch Musikdirektorin. Und letzteres bedeutet intensive geistige und körperliche Arbeit. Wenn ich nach Hause komme und mich dem Filzen, der Wolle widme, um die kleinen Tierchen zu erschaffen, dann erdet mich das wieder. Ich brauche das in meinem Leben. Beim Arbeiten mit den Händen geht es nicht um metaphysische Ideen, Dramaturgie oder Philosophie. Da geht es nur darum, Menschen glücklich zu machen.

Warst du schon immer von Miniaturen fasziniert?

Als ich jünger war und gerade mit dem Filzen anfing, waren meine Skulpturen deutlich größer. Aber Filzen ist sehr zeitaufwendig. Heute sind meine Tiere um die 10 cm groß. Ich finde, dass sie einfach niedlicher aussehen, wenn sie so klein sind. So hast du die ganze Welt dieses kleinen Wesens in deiner Hand! Niedlichkeit zum Anfassen, sozusagen.

Trägst du einen deiner Bären oder Tiere in deiner eigenen Tasche mit dir umher?

Oh ja, das mache ich tatsächlich! Wenn ich zum Beispiel jemanden treffe, von dem ich weiß, dass er ein Geschenk braucht. Oder wenn ich mit Kindern am Theater arbeite, bringe ich statt Süßigkeiten gerne einen kleinen Bären mit. Wenn ich ihn dann raushole, entspannt das sofort die Stimmung im Raum. Es sind ja eigentlich nur kleine Dinge aus Filz, aber den Menschen bedeuten sie etwas.

Du verkaufst auch saisonale Produkte, z.B. wunderschöne weihnachtliche Figuren: hosentaschengroße Rentiere und Baumschmuck.

 Manche Leute kaufen meine Tiere für sich selbst, aber die meisten kaufen sie als Geschenk. So werden sie Teil des Familienlebens. Ich mache die Rentiere jedes Jahr zu Weihnachten, aber Pinguine laufen auch gerade sehr gut. Zu Thanksgiving filze ich Kürbis-Bären und für die Feiertage dann kleine Bärchen, die aussehen wie Zuckerstangen.

Erzähl mir mehr über die Beziehung zu deinen Kunden. Was macht es für dich so reizvoll, diese kleinen, gefilzten Kreaturen herzustellen und sie in die Welt hinaus zu schicken?

Die längsten Briefe bekomme ich von Kunden, die mir schreiben, wie schön die Reaktion ihrer Liebsten auf das geschenkte Tier war. Oder wie ihnen zum Beispiel ein kleiner Bär über den Verlust eines geliebten Menschen hinweggeholfen hat. Ich habe auch schon mal eine Bestellung für ein Set rosa Bärchen für eine ganze Familie bekommen, um damit einer Verwandten, die an Brustkrebs erkrankt war, beizustehen.

Die meisten Briefe, die ich mittlerweile bekomme, sind von Familien, die kürzlich ein Baby bekommen haben. Ich fertige ja meist schon vor der Geburt ein Mobile für den zukünftigen Erdenbürger. Und plötzlich ist da dann diese Verbindung zwischen mir und dieser kleinen Person, die ganz neu auf die Welt kommen wird. Die Mobiles waren für meinen Shop ein richtiger Wendepunkt. Warum sollte man so etwas Zauberhaftes auch nicht von Anfang an teilen wollen? Schließlich willst du die Menschen, die du so abgöttisch liebst, mit den schönsten Dingen umgeben.

Was gefällt dir am meisten bei dem, was du tust?

Ich finde die Reaktionen der Leute toll, wenn sie meine Bären sehen. Sie sind einfach so niedlich und ein bisschen albern. Ich glaube, dass das vielen Leuten im Leben fehlt. Meine Kunden erzählen mir oft, dass meine kleinen Tiere wieder das Kind in ihnen hervorgeholt haben. So etwas spornt mich natürlich an, weiter zu machen.

Wann fühlst du dich am meisten inspiriert?

Für mein Studium und im Alltag lese ich sehr viel. Ich bin total besessen von gut illustrierten Kinderbüchern. Und ich liebe Tiere. Die Figuren in meinem Shop sind quasi lebensechte Nachbildungen. Auch echte Tiere haben etwas Kindliches an sich. Sie sind nicht kompliziert, sie leben einfach. Ich finde, dass man das auch in meinen gefilzten Tierchen sehen kann.

Was steht für Mistr Sandman als Nächstes auf dem Plan?

Ich arbeite gerade an einer Idee, über dich ich schon Jahre nachdenke: eine Reihe DIY-Kits, mit denen die Leute filzen lernen und ihre eigenen kleinen Figuren kreieren können. Ich weiß noch, wie wichtig es für mich war, eine Handarbeit zu erlernen und wie viel Freude es mir seitdem bereitet. Lernen und Lehren sind mir sehr wichtig. Außerdem wartet da noch ein neues Safari-Mobile auf seine Fertigstellung.

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Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Mistr Sandman.

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