Verkäuferportrait: MIEN

Etsy.com handmade and vintage goods

Feste Bürozeiten, lange Arbeitswege, nicht enden wollende Meetings – die Marketing- und Vertriebsökonomin Maja Fodermeyer kann sich noch gut an die Zeit vor ihrer Selbständigkeit erinnern. Angestellt als Assistentin der Geschäftsführung eines IT-Unternehmens war ihre Work-Life-Balance ganz schön fremdbestimmt. Tagsüber war sie im Büro und abends kümmerte sie sich um ihre zwei Kinder, verbrachte Zeit mit ihrem Mann, studierte nebenbei und versuchte irgendwo dazwischen ihrer Kreativität an der Nähmaschine freien Lauf zu lassen. Ihre ersten Werke waren kleine Geschenke für Freunde und Verwandte – hier ein Kuschelhase, dort hübsche Babybettwäsche. Irgendwann eröffnete sie auf Etsy ihren eigenen Shop und baute sich peu à peu ein zweites Standbein auf.

Vor vier Jahren folgte dann endlich der große Schritt. Mit einer gehörigen Portion Mut im Schlepptau machte sich die Zweifach-Mama mit ihrem Berliner Label MIEN selbstständig.

Bei MIEN gibt es handgefertigte Accessoires im schlichten Stil. Diese designed und produziert Maja daheim in ihrem eigenen Atelier. Auch Produktfotografie, Materialbestellungen und das Verschicken von Bestellungen erledigt sie hier. Ob sie mehr arbeitet als noch zu Bürozeiten? Oh ja! Doch dafür ist sie heute weitaus zufriedener mit dem was sie tut. Und vor allem wie sie es tut. Der Schritt in die Selbständigkeit hat Maja die Chance gegeben, frei zu sein. Frei in ihren Entscheidungen und frei in ihrer tagtäglichen Planung. „Ist das Wetter schön, steige ich auf mein geliebtes Rad und fahre eine Runde über das Tempelhofer Feld oder treffe mich mit einer Freundin oder fahre spontan an den See.“

Im Interview erfährst du mehr über Majas Weg in die Selbstständigkeit und die Art und Weise wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommt. Und schau dich auf jeden Fall auch im Shop mienBerlin um.

Du warst ja vorher in einem Angestelltenverhältnis. Hast du die Zeit im Mutterschutz genutzt, um deine Selbständigkeit zu planen?

Nein, denn nach der Geburt meiner Kinder war ich immer in Teilzeitjobs beschäftigt, meist um die 30 Stunden pro Woche. Nebenher war ich aber immer schon kreativ, habe genäht, und die ersten Produkte an Freunde und Bekannte verkauft. Doch als die Kinder noch klein waren, war ich viel zu ängstlich, auch nur daran zu denken, mich jemals selbstständig zu machen. Vor vier Jahren, als die Kinder 9 und 12 Jahre alt waren, habe ich es gewagt.

War der Gründerzuschuss, der Selbständigen gewährt wird, für dich ein Thema?

Der Gründerzuschuss an sich war mir bekannt. Doch er war nicht ausschlaggebend, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Für mich war es eher der richtige Zeitpunkt innerhalb meiner beruflichen Laufbahn. Nach dem Studium und 4 Jahren in einem IT-Unternehmen kam ich einfach an den Punkt, den Job zu kündigen und mich voll und ganz auf die Selbständigkeit einzulassen. Da ich meinen Onlineshop schon ein paar Jahre nebenbei betrieb, war bereits ein Nebeneinkommen vorhanden und ich startete nicht von null. Der Gründungszuschuss wurde mir dann tatsächlich bewilligt.

Was genießt du an deiner Selbstständigkeit am meisten?

Das ist meine Lieblingsfrage, die ich sehr gern beantworte. Am meisten genieße ich die Freiheit, das zu tun, worauf ich Lust habe und wann ich Lust dazu habe. Ist das Wetter schön, einfach aufs Rad zu steigen und eine Runde übers Tempelhofer Feld fahren zu können oder mich mit einer Freundin zu treffen, oder spontan an den See zu fahren… Da mein Atelier innerhalb unserer Wohnung liegt, kann ich immer mit den Jungs zu Mittag essen, wenn sie nach der Schule nach hause kommen. Ich kann für sie da sein, wenn sie es brauchen.

Wünschst du dich manchmal in ein sicheres Angestelltenverhältnis zurück?

Definitiv nicht. Momentan kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen, zu festen Zeiten in irgendein Büro zu fahren und dort von 9:00 bis 15:00 vor Ort zu sein.

Wie bekommst du Familie und Job unter einen Hut?

Da mein Atelier innerhalb der Wohnung liegt und mein Mann auch meist von zu hause aus arbeitet, bekommen wir das Familienleben und unsere Jobs sehr gut organisiert. Wir verbringen viel Zeit zusammen und gleichzeitig hat jeder seinen Freiraum. Für die Kinder ist es toll, uns jederzeit als Ansprechpartner vor Ort zu haben.

Wenn du Zeit mit deinen Kindern verbringst, hast du den Kopf dann frei? Oder kreisen deine Gedanken auch dann um dein Geschäft?

Aktuell ist es bei uns eher so, dass ich als Mama die gemeinsame Zeit einfordern muss. Mir ging es als Teenager mit 16 aber ähnlich, da war Zeit mit den Eltern einfach weniger angesagt. Also kochen wir abends gemeinsam und unterhalten uns dabei über alles, was die Kinder so bewegt und sie preisgeben wollen. Deshalb bin ich froh über die gemeinsame Zeit und bin dann auch voll bei den Kindern und nicht mit dem Kopf noch bei der Arbeit.

Wer unterstützt dich, wenn du mal eine Pause brauchst?

Meist ist es mein Mann, der ins Atelier kommt und mich darauf hinweist, dass ich schon länger ohne Pause an der Nähmaschine sitze und es Zeit für eine Pause ist. Oft gehen wir dann eine Runde an die frische Luft, bringen die ersten Bestellungen zur Post oder einfach ein paar Minuten durch den Park spazieren. Das gibt neue Kraft und Energie. Wenn es zu Hochzeiten wie zum Beispiel an Weihnachten sehr trubelig wird, helfen mir die Kinder oft beim Schneiden der Label, beim Bestempeln der Briefumschläge oder auch beim Zuschneiden der Kordeln für die Turnbeutel.

Was war Deine größte Herausforderung und wie hast Du sie gemeistert?

Die größte Herausforderung war wohl, über meinen eigenen Schatten zu springen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Als Mutter war ich immer sehr darauf bedacht finanziell unabhängig zu sein und für meine Kinder sorgen zu können. Doch heute bin ich so froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Jetzt bin ich viel freier und glücklicher damit.

Mamas legen ja ganz besonderen Wert auf eine gute Qualität. Ist der Qualitätsanspruch an deine Produkte mit dem Muttersein noch gestiegen?

Eine hohe Qualität der Materialien und deren Verarbeitung war mir immer schon wichtig. Das Muttersein hat mir eher gezeigt, dass weniger oft mehr ist. Schlichtere Designs anstelle von grellen Farben und vielen bunten Mustern, hochwertige Rohstoffe anstelle von günstigen. Die Reduzierung auf das Wesentliche und alles Unnötige wegzulassen, ist dabei mein Ziel.

Woher kommen deine Ideen?

Inspirieren lasse ich mich vom Leben in Berlin und den Leuten, die hier wohnen — aber auch beim Stöbern durch die Kieze, unseren Urlauben und auf unseren vielen kleinen Familienauszeiten mit dem VW-Bus.

Was ist dein Lieblingsprodukt in deinem Shop?

Natürlich mag ich alle meine Produkte. Momentan ist es eindeutig die Shoppertasche in GrauKupfer. Sie ist schön schlicht und bringt doch ein wenig Glitzer in den Alltag.

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