Verkäuferportrait: PaperWolfsShop

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Früher war Wolfram Kampffmeyer hauptsächlich als selbstständiger Computeranimator tätig. Parallel gründete der zweifache Familienvater 2010 das Label Paperwolf und entwirft seitdem dreidimensionale Tierskulpturen aus Papier.

Seit Jahren wächst sein kleiner Papierzoo nun – egal ob Hirsch, Löwe, Affe, Fuchs oder Erdmännchen. Es gibt eigentlich nichts, das Wolfram nicht aus Papier gestalten kann. Im Jahre 2014 stieg die Nachfrage nach seinen Paperwolf-Skulpturen schließlich dermaßen an, dass Wolfram die Herstellung der Bastelbögen nicht mehr alleine bewältigen konnte. Glücklicherweise kamen seine Freunde ihm zur Hilfe und gründeten kurzerhand die „Paperwolf Productions GbR“ um für ihn die Produktion des Tagesgeschäfts und den Versand zu übernehmen.

Seitdem kann Wolfram sich wieder voll und ganz auf den kreativen Schaffensprozess konzentrieren. Wer weiß, was er demnächst noch alles in Papiergestalt zum Leben erwecken wird. Spezialanfragen sind bei Wolfram stets gerne gesehen. Generell pflegt er einen engen Kundenkontakt und gibt Hilfestellungen beim Basteln. Schließlich sind seine Papierskulpturen zum Selberbauen nicht nur spielerischer Zeitvertreib, sondern moderne Papierkunst, die liebevolle Aufmerksamkeit verdient hat.

Im Interview erfährst du mehr über Wolframs doppelte Selbstständigkeit und wie er es dennoch schafft, Zeit für die Familie zu haben. Und schau dich auf jeden Fall auch im PaperWolfsShop um.

In welchem deiner beiden Jobs steckt mehr Herzblut?

Als Computeranimator arbeite ich nach Vorgaben des Kunden, hochprofessionell und mit viel Motivation und Spaß. Paperwolf ist zu 100% mein eigenes Baby, der Drang kommt von innen heraus. Deshalb würde ich sagen, steckt hier ein Stück mehr Herzblut drin.

Selbstständigkeit in zweifacher Ausführung. Bleibt bei so viel Arbeit überhaupt noch genügend Zeit für die Familie?

Mein zweites Standbein „Paperwolf“ konnte nur deshalb entstehen, weil ich als selbstständiger Computeranimator stets Freiräume „zwischen den Jobs“ hatte. Ich hatte also immer wieder Zeitfenster, um meinen Ideen nachzugehen, und aus einer davon wurde Paperwolf. Mittlerweile ist die Aufteilung zwischen Animation und Paperwolf etwa 50-50. Zeit für die Familie finde ich dabei immer. Selbst wenn ich einmal zwei Aufträge gleichzeitig habe: Frühstückszeit und Zubettbringen lasse ich mir nicht nehmen. Und dann kommt es auch mal vor, dass ich ein paar Wochen komplett Familienzeit habe, um z.B. den Luxus zu genießen, vormittags mit meiner Frau klettern zu gehen, bevor dann der nächste Auftrag losgeht. Dazu kommt, dass ich ja praktisch zu 100% von zu Hause arbeite und ich mir so, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, den Arbeitsweg sparen kann. Das bedeutet gleichzeitig auch nochmal mehr Zeit für die Familie.

Wie bekommst du Familie und Job unter einen Hut?

Da mein Arbeitszimmer Teil unseres Hauses ist, ist es nicht immer einfach, längere Zeit am Stück konzentriert zu arbeiten. Spätestens, wenn die Kinder aus dem Kindergarten kommen, fliegt meine Arbeitszimmertüre auf, und eines der Kinder macht mir deutlich, dass mein Arbeitstag jetzt erst einmal vorbei ist. Eigentlich habe ich extra ein lustiges „bitte nicht stören“ Schild an die Klinke angebracht. Doch meine Tochter dreht es dann einfach auf „komm herein“ und sagt: „Schau, das Schild war doch richtig herum, ich darf reinkommen!“. Wenn ich einen sehr umfangreichen Job mit enger Deadline habe (oder zwei gleichzeitig), dann verlege ich meinen Arbeitstag auf die Frühschicht. Das heißt: Ich bringe die Kinder um 20 Uhr ins Bett und schlafe mit ein. Dann stehe ich um 4 Uhr morgens auf und arbeite schon einmal fast 4 Stunden, bis die Familie aufwacht. So habe ich schon vor dem Frühstück den halben Arbeitstag geschafft und kann den Vormittag über in Ruhe den Rest erledigen. Oft bleiben dann am Nachmittag auch noch ein paar Stündchen, in denen ich halbwegs ungestört arbeiten kann.

Wie managt ihr euer Familienleben? Und wie teilt ihr euch die Aufgaben in der Familie auf?

Die Aufteilung ist abhängig von meiner Auftragslage. Meine Frau ist im Moment noch in Elternzeit und so können wir das ganz flexibel regeln. Habe ich viel zu tun, übernimmt sie den Großteil der Hausarbeit. Sieht es bei mir lockerer aus, habe ich oft nachmittags die Kinder, gehe mit ihnen in den Wald oder bastele mit ihnen. Und natürlich hänge ich auch die Wäsche auf, mache die Küche sauber und wenn sich Gäste ankündigen, bringen wir zusammen die Wohnung auf Vordermann. Demnächst möchte ich mit meinen Kindern ein Event-Kochen machen: Kartoffeln aus dem eigenen Garten ernten, reiben und dann lecker Kartoffelpuffer brutzeln! Meine Frau ist aber auch ein wichtiger Teil des „PaperwolfTeams“. Ihre Vorschläge und Kritik bringen jedes Produkt ein Stück weiter. Wir diskutieren zusammen am Computer über neue Ideen und Entwürfe. Sie korrigiert meine Bücher, ist dabei, wenn es um Konzepte für Messeauftritte und Auftragsarbeiten geht und hilft beim Kleben neuer Prototyen.

Könntest du dir vorstellen, dich beruflich ausschließlich auf dein kleines Unternehmen zu konzentrieren?

Da ich beides gerne mache (Papiertiere und Computeranimation), und mich von keinem Beruf trennen mag, werde ich auch beide Berufe weiterhin ausüben. Ich hätte wohl schon 2015 ganz auf Paperwolf umsteigen können, aber dazu macht mir die Characteranimation einfach zu viel Spaß. Ende 2014 wurden meine Werke bei Boredpanda.com und Thisiscolossal.com gefeatured. Dies führte zu einem schlagartigen Ansturm an Bestellungen, den ich nicht mehr alleine bewältigen konnte. Meine Frau und ich standen schichtweise an immer mehr Schneidemaschinen und schleppten täglich kistenweise Umschläge zur Post. Teilweise musste ich meinen Shop für 2 Wochen schließen, um die Bestellungen abzuarbeiten. Daraufhin retteten mich zwei Freunde, indem sie eine GbR in Stuttgart gründeten, um die Produktion der Bastelbögen zu übernehmen. Hier wird nun das Tagesgeschäft gemacht: Bestellungen werden angenommen und die Bastelbögen produziert und verschickt. Ich habe so wieder Zeit, neue Tiere zu entwerfen und kümmere mich um Kundenfragen. Ein sehr erfüllender Bereich meiner Tätigkeit als Paperwolf besteht in Spezialaufträgen für Messestände, Schaufenstergestaltung und Events o.ä.. Hier baue ich oft übergroße geometrische Tierskulpturen, teilweise aus speziellen Materialien oder mit besonderen Oberflächen.

Inspirieren dich deine Kinder bei der Ideenfindung?

Im letzten TV-Beitrag über Paperwolf wurde meine Tochter gefragt, was sie sich für ein Tier wünscht. „Ein Eisbär“ kam es wie aus der Pistole geschossen. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, steht aber auf meiner Liste. Ich habe aber ein Bastelbuch herausgebracht (Paperwolfs „PAPIERtier Safari“), das sich an Kinder von etwa 6 bis 13 richtet. Meine 4-jährige Tochter hat natürlich auch mal ein Tier probegebastelt und mit etwas Hilfe kriegt sie es hin.


Welchen Tipp kannst du Anderen geben, die 2 Jobs, 2 Passionen haben?

Ich habe das Glück, meinen Job als Animator sehr sehr gerne zu machen und dazu noch genügend Freizeit zu haben. In dieser freien Zeit kann man Ideen testen, die dann teilweise zu einer zweiten Passion werden können. Generell kann ich nur den Tipp geben, sich nicht nach dem Markt zu orientieren. Schau nicht, was der Markt noch braucht, um das dann als Produkt anzubieten. Mache das, was du am besten kannst und am liebsten tust. Bei mir hat es so immer am besten funktioniert und mich am glücklichsten gemacht. Wenn daraus ein Geschäftsmodell wird – super! Wenn nicht, hast Du trotzdem etwas Schönes gemacht. Baue Dir ein stabiles erstes Standbein auf, um dann in Deiner Freizeit an Deiner Passion zu arbeiten. Lege dafür immer etwas „Spielgeld“ beiseite, mit dem Du gefahrlos testen kannst.

Was ist dein Lieblingsprodukt in deinem Shop?

Momentan habe ich zwei Lieblingsprodukte, kann sich mit neuen Tieren aber schnell ändern. Eines ist der Fuchs:  Der Fuchs, der halb aus der Wand herauskommt, ist 2014 eine absolute Neuheit gewesen, die seitdem munter von allen möglichen Leuten kopiert wurde. Das Besondere am Fuchs ist, dass er in einer sehr lebendigen, verspielten Pose dasteht. In ihm steckt jede Menge Herzblut, das glücklicherweise auch auf meine Kunden überschwappte. Ein weiterer Favorit ist der „Vogelflug„: Bei dieser Skulptur ließ ich meine Fähigkeiten als Characteranimator einfließen: Die Skulptur besteht aus fünf Vögeln, wovon jeder Vogel eine Phase eines Flügelschlagzyklus zeigt. Wenn man die Vögel nacheinander fotografiert und dann als Film abspielt, scheint ein Vogel über die Wand zu fliegen. Diese besondere Lebendigkeit einer Papierskulptur ist bislang einzigartig auf dem Markt.

Ach ja, und dann ist da ja noch das Erdferkel, das ich gemacht habe, nachdem ich im Berliner Zoo im Nachtgehege stundenlang den Erdferkeln beim Marschieren zugesehen habe und einfach nicht wegkonnte. Ich hatte schon recherchiert, ob man diese faszinierenden Tiere in Deutschland halten darf (man könnte ihren natürlichen Trieb zu buddeln ja einsetzen, um den Garten umzugraben)… Naja, daraus wurde dann eine Serie von Papierskulpturen.

 

Woher nimmst du deine ganze Motivation?

Soweit ich mich erinnern kann, musste ich mich nie zur Arbeit motivieren, abgesehen von Steuererklärungen. Prokrastination oder mangelnde Motivation ist mir fremd. Ich bin eher ein Getriebener und brauche immer etwas zu tun. Wenn ich einen längeren Job habe und kaum Freizeit, leide ich unter „Kreativitätsstau“. In mir stauen sich die Ideen, die ich unbedingt umsetzen oder ausprobieren will. Und ich kann es kaum noch aushalten, sie herauszulassen. Dann kommt es vor, dass ich mich nahtlos ins Abarbeiten dieser Ideen stürze. Der Zwang kommt von Innen und hat für mich den gleichen Stellenwert wie eine enge Deadline bei einem Auftrag. Für meine Frau ist es manchmal unbegreiflich, dass ich nicht einfach mal nur „nichts“ tue. Doch Nichtstun ist für mich die Höchststrafe. Als wir noch in der Stadt wohnten und ich ab und an mit den Kindern auf dem Spielplatz die Zeit absaß (z.B. wenn sie schaukelten), fing ich an, Kieselsteinchen nach Farbtönen zu sortieren. Stillsitzen geht auch heute noch nicht lange gut. Auf der Terrasse liegt immer ein Schnitzprojekt bereit, und auf Autofahrten oder im Zug habe ich mein großes StickProjekt (ein geometrischer Tierkopf aus etwa 70.000 Kreuzstichen). Dass dies so ist, kommt wahrscheinlich daher, dass ich als Kind ADHS hatte. Über die Jahre habe ich es geschafft, die damit verbundene Unruhe zu kanalisieren: Immer etwas zu tun, immer mit den Händen arbeiten.

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Alle Fotos von OH HEDWIG by Saskia Bauermeister.

 

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